She made my day

Kennen Sie Asia Argento? Bis gestern hätte ich die Dame auch eher angerufen, um zweimal Nummer 111 und eine Miso-Suppe zu bestellen, doch heute hat dieses anbetungswürdige Geschöpf mir den Tag gerettet. Asia Argento hat die Frauenbewegung mit Warp-Antrieb in eine neue Zeit katapultiert. Nun gut – weder wissentlich noch willentlich, aber was soll‘s.

Wir müssten uns zunächst auf eine Prämisse einigen: Was ist nach allgemeinem Verständnis wichtig, um ein wichtiger Mensch zu sein? Geld, Macht und Sex. Richtig? Wobei die Summe dieser drei mehr ist als ihre Teile. Geld macht mächtig, Macht nimmt sich Sex und Sex verdient Geld (finde den Fehler…). Was auffällt, ist, dass in allen Bereichen diejenigen mit den heraushängenden primären Geschlechtsmerkmalen mehr davon haben, als die anderen. Was nicht weiter schlimm wäre, doch ist die Menschheit bedauerlicherweise dämlich genug, den Wert eines Menschen an Macht, Geld und Sex zu messen. Und wohl aus dieser eklatanten Fehleinschätzung heraus meinen die bewegten Frauen, mit mehr Macht, Geld oder Sex würde es ihnen besser gehen. Ich persönlich betrachte es bereits als Privileg, nicht mit heraushängenden primären Geschlechtsmerkmalen leben zu müssen – und würde daran auch für viel Geld nichts ändern wollen – aber nun gut. Allgemeine Meinung ist, Männer dominieren Frauen und das sollte dringend mal geändert werden. Wobei den Gipfel der Dominanz der widerwillige  Geschlechtsverkehr darstellt, der aber aus Gründen der Abhängigkeit – eingebildet oder tatsächlich vorhanden – von dem Wohlwollen des mächtigen Reichen erlitten und erduldet wird. Bei uns in Norddeutschland sagt man dazu: Wat mutt, dat mutt. Schön ist es trotzdem nicht.

Und dann kam Jimmy. Jimmy Benett.

Das tragische an Sportlern ist die Tatsache, wie schnell sie altern. In beruflicher Hinsicht. Kaum erwachsen, sind sie schon zu alt um weiterhin das zu tun, was sie oft als Einziges wirklich können. Tragischer wird die Angelegenheit nur noch bei einer einzigen anderen Berufsgruppe: Kinderstars. Wenn die nicht mehr niedlich sind, werden sie entsorgt (weshalb die Natur höchst weise zumindest den Eltern der Brut eine gewisse genetische Zuneigung mitgegegeben hat, die der Brut ermöglicht, auch noch den 16. Geburtstag erleben zu dürfen).  Es gibt Ausnahmen von dieser Regel – nicht der des Überlebens, sondern der von der Erfolglosigkeit wie zum Beispiel Christian Bale – aber die sind selten. Jimmy Benett gehört nicht dazu. Bei Jimmy dümpelt die Schauspielkarriere so vor sich hin. Eventuell weil keine Maske der Welt es hinbekommt, den 22-jährigen wieder niedlich zu machen. Und hübsch ist er auch nicht.

Jimmy selber sieht die Sache allerdings ganz anders. Denn Jimmy ist ein Sex-Opfer. Traumatisiert und unter emotionalen Schmerzen leidend konnte er seine Karriere einfach nicht so fortführen, wie er sich das mal gedacht hatte. Und der Grund seiner Traumas ist – Sie ahnen es – Asia Argento.

                                                     Jimmys Geschichte

Es war im Mai 2013 im Ritz-Carlton in Marina del Rey. Eine laue kalifornische Sommernacht. Jimmy ist süße 17 Jahre alt, als Asia – zu diesem Zeitpunkt süße Ende 30 –  lüstern nach jungem Fleisch ihm Alkohol in die kleinen Patschehändchen drückt und dann einfach mal an den baumelnden primären Geschlechtsmerkmalen des alkoholbedingt willenlosen jungen Mannes herumnuckelt. Gefolgt vom traditionellen Beischlaf. Was Jimmy schwer traumatisiert. Warum es ihn traumatisiert hat, konnte ich der Berichterstattung nicht entnehmen (leider – ich hätte an einer minutiösen Beschreibung unglaublich schlechten Sexes meine helle Freude gehabt) und so nehme ich an, es lag am innerlichen Widerstand von Jimmy, der äußerlich nicht in Erscheinung trat. Einige Jahre später megärt Asia in Cannes und anlässlich der Filmfestspiele in Richtung Harvey Weinstein – der sie, so ihre Behauptung oral vergewaltigt hat, woraufhin sie nie wieder oralen Sex genießen konnte (ach, du meine Güte; wollte ich das jetzt wissen?) – „er wird in Schande leben, von der Filmgemeinschaft gemieden, die ihn einst umarmte und seine Verbrechen gedeckt hat.“ Gefolgt von der Drohung an die Harveys im Publikum: Wir wissen, wer ihr seid und wir werden euch nicht länger damit davonkommen lassen“. Jimmy sieht wohl die Bilder der Veranstaltung und es bereitet ihm emotionale Schmerzen, dass Asia sich öffentlich als Opfer feiern lässt (mit geballter Faust; Black Panther lässt grüßen), wo sie doch selber Täterin war. 3,5 Millionen Dollar könnten hilfreich sein, seinen Schmerz zu überwinden. Die hätte er dann gerne. Er bekommt 380.000. Damit er die Klappe hält. Tut er aber nicht.

                                                       Asias Geschichte

Sex mit Bennett? Nie. Es gab eine freundschaftliche Verbundenheit. Bis Bennett plötzlich Geld von ihr haben wollte – da ist das Verhältnis dann wohl ein wenig abgekühlt. Gleichwohl hat ihr Lebensgefährte schließlich die 380.000 Dollar gezahlt, um – so Argentos Formulierung – „mitfühlend auf Bennetts Forderung nach Hilfe zu reagieren und ihm Hilfe zu geben –  unter der Bedingung, dass wir keine weiteren Einmischungen in unser Leben erleiden müssen“. Das verstehe, wer wolle.

Es gibt allerdings noch eine andere Geschichte. Nach der – so soll es Argento ihrem Lebensgefährten in einem Chat geschrieben haben – war die Nacht mit Jimmy zwar keine Vergewaltigung, doch sei sie „erstarrt“ (sie benutzt das Wort „frozen“) gewesen und dann war er plötzlich über ihr. Hört man ja immer wieder: frau erstarrt und schneller als du Blaubeerkuchen sagen kannst, bist du völlig überraschenderweise in koitaler Interaktion. Übrigens gib es ein postkoitales Selfie. Können Sie sich hier: http://www.tmz.com/2018/08/22/asia-argento-17-year-old-boy-in-bed-photo-sex-texts ansehen.

Was ich auf diesem Bild sehe, ist eine ältere Frau mit einem jüngeren Mann. Wohl im Bett. Soll durchaus vorkommen. Üblicherweise kommt es allerdings erst bei Frauen jenseits des Verfalldatums und einem Hang zu Leopardenmustern vor. Wird aber toleriert. Dann nennt man die Damen Cougar und findet sie irgendwie amüsant. Was mir hinsichtlich des Geisteszustandes meiner Zeitgenossen zu denken gibt, ist die Tatsache des Selfies. Ich habe durchaus viele Spielarten postkoitalen Verhaltens erlebt – komm, Schatz, lass uns ein Selfie machen, war noch nie dabei. Aber ich bin ja auch keine Schauspielerin. Und glücklicherweise nicht so verkorkst, dass ich der Welt von oralen Vergewaltigungen und daraus folgenden sexuellen Aversionen berichten oder aus lauen Sommernächten Kapital schlagen möchte. Wobei ich mir sicher bin, dass im öffentlichen Bewusstsein weder das eine noch das andere bleibenden Eindruck hinterlassen wird. Was bleiben wird, ist die Erkenntnis, dass Frauen Männer missbrauchen wie Männer Frauen. Und dass auch Frauen für Sex bezahlen (oder bezahlen lassen). Was bleiben wird, ist ein Mann, der sich zum Opfer einer Frau machte. Was für ein herrlicher Tag.

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