Monster unterm Bett

Ein Märchen für die ganz Kleinen

Jeden Abend vor dem Schlafengehen guckt Mari unter ihr Bett, um nachzusehen, ob auch alle Monster da sind.

Das ist nicht ganz einfach, weil Monster gerne im großen Knäuel schlafen. Manchmal sind nur drei Schnauzen und zehn Beine zu sehen. Manchmal sieben Beine und zwei Schwänze. Und manchmal ragen nur drei spitze Öhrchen aus dem Knäuel heraus. Dann muss Mari von allen Seiten unter dem Bett nachschauen, denn es kann immer sein, dass sich ein Monster im Garten verspielt hat und nicht ordentlich unters Bett gekrochen ist. Also muss Mari gucken und noch mal gucken und zählen und noch mal zählen. Aber wenn sie einmal zwölf Beine, drei Schnauzen oder sechs Öhrchen zählen konnte, kann sie beruhigt ins Bett gehen.

Dann knufft sie ihr Kopfkissen zurecht und kuschelt sich unter die Decke und murmelt: „Gute Nacht, Knurzelfurzel“. Denn alle Monster von Mari heißen Knurzelfurzel. Mari findet, dass ist der allerschönste Name. Für ein Monster.

„Gute Nacht, Mari“ knurschelt jemand unter dem Bett. „Und süße Träume“ schmurzelt eine andere Stimme. Und eine Stimme furschelt nur „Nachti Nacht“. Das war bestimmt Knurzelfurzel.

Und dann geht die Sonne unter und der Mond steigt auf. Und viele, viele Sterne leuchten am Nachthimmel über der kleinen Stadt, in der Mari wohnt. In den Häusern gehen die Lichter an und nach und nach auch wieder aus. Alles wird ganz still. Alle schlafen.

Mitten in der Nacht, als das Dunkel am dunkelsten ist, schiebt sich eine kleine, grüne, schuppige Hand durch den Spalt des geöffneten Fensters von Maris Kinderzimmer. Das ist ein kleiner, hässlicher, böser Traum. Der will nicht nur durch Maris Fenster schlüpfen; der will in ihren Schlaf schlüpfen. Denn böse Träume sind nicht nur böse, sondern auch sehr gemein.

Vorsichtig und verstohlen schiebt sich noch ein grüner Arm mit ekligen Borsten hinterher.

„Grrrrrrrrrrrrrrr“ macht es unter dem Bett. Und „Platsch“ macht es draußen vor dem Fenster. Der böse Traum ist vor Schreck die Wand heruntergefallen. Und unten aufgeplatscht. Mari hat davon nicht gemerkt; Mari träumt gerade davon, dass sie mit den Knurzelfurzeln auf der Schaukel sitzt und Zuckerwatte isst.

Unter dem Bett ist eine kleine Weile ein spitzes Ohr noch wachsam aufgestellt. Doch für den Rest der Nacht traut sich kein böser Traum auch nur in die Nähe von Maris kleinem Häuschen.

Und deshalb guckt Mari jeden Abend vor dem Schlafengehen, ob auch alle Monster unter dem Bett sind.

Gute Nacht, Knurzelfurzel.

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