Maaßnahmen

„Das größte Problem mit der Kommunikation ist die Illusionsie sei gelungen.“ Das Zitat wird George Bernhard Shaw zugeschrieben. Guter Mann. Der übrigens auch gesagt haben soll, „Hass ist die Rache des Feiglings dafür, dass er eingeschüchtert wurde.“ (Ein Zitat, dass einigen Menschen in dieser Zeit Trost und Erkenntnis sein dürfte – aber das nur am Rande.) Worte sind wichtig und sollten mit Bedacht gesetzt werden. Unter Juristen fast eine Selbstverständlichkeit. Maaßen ist Jurist. Was hat Maaßen gesagt? Er hat eine „Hetzjagd“ angezweifelt. Eine „Hetzjagd“ ist ein Verbund von Jägern, der gemeinsam einer Beute nachstellt. Bei der „Hetzjagd“ in Chemnitz läuft ein (in Zahlen:1) Mann einem anderen Mann hinterher. Ca. zehn andere Personen schlendern etwas orientierungslos auf der Straße herum. Wären das Jagdhunde, würden man sie wegen Unbrauchbarkeit erschießen. Wer also hat sich die Bezeichnung „Hetzjagd“ für dieses in Deutschland auf jeder Kirmes/Zeltfest/organisiertem Besäufnis sozialadäquatem Verhalten ausgedacht? Ich hatte die Staatsanwaltschaft in Verdacht. Das sind zwar Juristen, doch um des Effekts willen tendieren die ebenfalls zu sprachlicher Ungenauigkeit. Drei Blumentöpfe mit Cannabis-Pflanzen sind im Sprachgebrauch der Staatsanwaltschaft gerne mal eine „Plantage“. Wobei auf den Hinweis, dass Baumwollfelder, wehmütige Sklavengesänge und altehrwürdige Herrenhäuser bei der Durchsuchung der Zwei-Zimmer-Wohnung nicht gefunden wurden, bemerkenswert humorlose Reaktionen erfolgen. Geschweige denn ein Schuldbewusstsein kenntlich wird, dass der plumpe Versuch, sprachlich zu manipulieren, aufgeflogen ist. Doch weit gefehlt: die „Hetzjagd“ wurde von keinem Staatsanwalt gewortschöpft, sondern von der Antifa Zeckenbiss. Die wurde jedenfalls als Quelle des Videos benannt. Nun wird es lustig: die gibt es gar nicht. Jedenfalls nicht als ansprechbarer Mensch. Ein Impressum, Kontaktadresse oder irgendetwas, was einen Verantwortlichen erkennen lässt – Fehlanzeige. Ich habe jedenfalls nichts finden können.

Zurück zu Maaßen. Der vor diesem Hintergrund Zweifel an der „Hetzjagd“ äußert und feststellt, dass „keine Belege dafür vor[liegen], dass das im Internet kursierende Video zu diesem angeblichen Vorfall authentisch ist“.  Mit Verlaub – jede andere Bewertung zu dieser Zeit wäre Idiotie auf hohem Niveau gewesen. Denn eine Hetzjagd – oder gar „Menschenjagd“ (mit der das Video im Original überschrieben war) – ist nun mal auf dem Video nicht zu sehen. Und die Authentizität von etwas zu bewerten, bei dem unbekannt ist, wer, wann, unter welchen Umständen und zu welchem Zweck es erstellt hat, bringt den Bewertenden – sofern er nicht über die Gabe der Allwissenheit verfügt – eventuell an seine Grenzen. Was von der so forsch bewertenden Journaille gerne ignoriert und mit der vom eigenen Fehlverhalten ablenkenden Forderung garniert wird, dass Herr Maaßen dann mal erklären soll, warum das Video eventuell nicht authentisch sei. Diese Forderung offenbart nun eine so eklatante Schwäche des Denkvermögens, dass der öffentliche Ausspruch sich mit nur eben jener Schwäche erklären lässt. Eine negative Tatsache lässt sich nicht beweisen. Punkt. Aber die Forderung kommt gut an. Empörung braucht kein Denkvermögen – geschweige denn Abstraktion. Im Gegenteil.

Könnte es sein, dass Herr Maaßen schlicht diszipliniert werden soll, weil er sich dem Offiziell-Sprech der Bundesregierung nicht anschließen wollte? Sollte das so einfach sein? Wer sich dem Chemnitz-Bashing nicht anschließt, wird vom Mob gejagt? Ich bin gespannt, wann der Mob das Halali über Herrn Maaßen blasen wird. Nicht ob – wann.

Insofern plädiere ich dafür, den Pluralismus-Begriff ersatzlos abzuschaffen. Momentan verwirrt es doch nur die einfachen Gemüter, sich zwischen so vielen Informationen, Fehlinformationen und Manipulationen zurechtfinden zu sollen. Gegen jene, die die informative Deutungshoheit so fest in Händen halten, ist der Widerstand nur um den Preis von Amt und (Menschen-) Würde möglich. Dann lasst uns doch nicht mehr vorgeben, eine freiheitliche Demokratie zu sein. Und unsere begrenzte Lebenszeit sinnvoller als auf diversen Jagdausflügen einsetzen.

5 Kommentare

  1. Eine weitere, ausgesprochen treffsichere Analyse der mittlerweile gängigen Wortfälscherei (die freilich nicht strafbar ist), die Blattschussqualität beanspruchen kann. Während man, sagen wir so etwa vor drei Jahrzehnten, um die Umwertung von Werten und Begriffen noch trefflich streiten konnten, ist dieser Disput längst beendet. Man muss keineswegs ein Sympathisant des Herrn M. sein. Seine Denunziantentruppe muss man erst recht nicht mögen, hat sie doch in der Vergangenheit und aktuell im sogenannten NSU-Komplex vielleicht mehr als nur die schmutzigen Finger in einem noch schmutzigeren Spiel. Die mittlerweile nur noch plakativ existente, nahezu axiomatisch beschworene freie Presse bedient sich einer Phantom-Quelle, die, zumindest von der Bezeichnung her, wirklich ausgesprochen objektiv daherkommt. Die neuen Führungs-Demokratoren schwätzen nach und maßregeln den, der zur Prüfung mahnt. Die bösartige Schwafelzone wird richtig fett. Klasse.

  2. Kompliment!
    Sehr schön auf den Punkt gebracht und für den scheuen Bürger nicht zu hart formuliert. Man ist ja schließlich kein Wutbürger oder gar Nazi….

  3. Interessant bei der ganzen Sache ist doch, dass es offenbar kein(e) Opfer der angeblichen Hetzjagd gibt? Die Jagenden müssen ziemlich unfähig gewesen sein, weshalb also dieser Shitstorm? Er diente zu nichts anderem, als Opfer und Täter in der öffentlichen Wahrnehmung zu vertauschen. Wer dem verordneten Recht-Sprech wider-spricht, wird seinerseits zum Täter (und letztlich zum Opfer).

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