Der Ruf des Dodos

Deutschland, wir haben ein Problem. Präzise betrachtet, sind es sogar diverse Probleme und die Diversen sind nur ein Teil davon. Darf ich feststellen, dass unsere Gesellschaft momentan ziemlich rasant unterwegs ist? Wobei ich nicht das „rasant“ meine, das einem in Zusammenhang mit einem Rennwagen in den Sinn kommt. Ich meine das „rasant“, mit dem der Erdboden näherkommt, wenn das Flugzeug abstürzt. Man muss mit dem Klammerbeutel gepudert sein, um nicht zu sehen, was im Werden ist. Doch wie soll man darüber sprechen, was wird, wenn man nicht sagen darf, was ist? Und das ist das Problem.

Bedauerlicherweise tritt eine zweite Problematik hinzu: das Thema ist keines, worüber der anständige Bildungsbürger sprechen möchte. Und um die Sache rund zu machen: Es ist auch keines, wovon der anständige Bildungsbürger auch nur den Hauch einer Ahnung hat. Oder haben möchte. Das Thema beunruhigt weite Teile der Bevölkerung. Aber es hilft nichts: da müssen die durch. Was im Werden ist, ist Gewalt. Und immer mehr Gewalt. Also: lassen Sie uns über Gewalt sprechen.

Für einige Menschen ist es Gewalt, in ihrem binären Dasein nicht ausreichend wertgeschätzt zu werden. Für andere, verletzende Werbung zu sehen. Hatespeech ist Gewalt und nicht zu vergessen die sexualisierte Gewalt gegen Frauen, wenn nicht nur festgestellt wird, dass sie dusselig sind, sondern irgendwie noch etwas erwähnt ist, was sie unzweifelhaft dem weiblichen Geschlecht zuordnet. Nur wissen Sie was? Das alles ist keine Gewalt. Gewalt ist es, wenn weibliche Pornodarstellerinnen während des Drehs gefoltert, verstümmelt und getötet werden. Nach offizieller Lesart gibt es überhaupt keine Snuff-Pornos; nach offizieller Lesart sind das Urban Legends. Deshalb bleiben die auch besser, wo sie sind: in den tiefsten Tiefen des Darknet. Es würde Teile der Bevölkerung verstören, dass es so abgrundtief Böses auf der Welt gibt.

Andere Teile der Bevölkerung finden Gewaltdarstellungen anregend und unterhaltend. „Gesichter der Todes“ war kommerziell unglaublich erfolgreich. Budget: 450.000 US-Dollar. Einspielergebnis:  ungefähr 35 Millionen. 105 Minuten genau das, was der Titel verspricht. Menschen sterben  (nicht friedvoll im Bett, falls irgendjemand eine solche Vorstellung pflegt) und Tiere werden geschlachtet. Dokumentarmaterial und nachgestellte Szenen bunt gemixt und der Reiz besteht darin, nicht zu wissen, was real abgefilmt wurde und was lediglich der Veranschaulichung realem Horrors dient. Die Freunde der gepflegten Grausamkeit werden auch auf YouTube fündig. Die brutalsten Methoden, Menschen zu töten, wurden gute 1,3 Millionen Mal aufgerufen, die entsetzlichsten Foltermethoden erfreuten sich knapp zweimillionenfacher Aufmerksamkeit.  Und für einige der gewaltaffinen Cineasten dürfte die Vorstellung, selber Gewalt auszuüben, diese Macht zu spüren – bis hin zu der ultimativen Macht, über Leben und Tod entscheiden zu können – durchaus ihren Reiz haben. Dem deutschen Bildungsbürger schaudert es angesichts solcher Abgründe. Und wenn dann doch so ein beunruhigender Einzelfall in das Idyll des geranienbekränzten Balkons eindringt, dann hat der Staat versagt. Weshalb der Staat sich alle Mühe gibt, den Deckel drauf zu halten.

An das Böse werden sich die Bildungsbürger mit und ohne Geranien gewöhnen müssen. Es braucht nur das Zusammentreffen einiger weniger Umstände. Hohe Gewaltaffinität und geringe Hemmschwellen plus der Überzeugung, „berechtigten“ Hass auszuleben. Oder die Ansicht, das Objekt der Gewaltausübung sei ohnehin nur ein „wertloses Stück Scheiße“ (nicht meine Worte). Hilfreich tritt ein geringer Bildungsgrad hinzu, der weder Hass, noch Wertung, hinterfragt. Und schließlich steht eine kulturelle Prägung, die ritualisierte, kollektiv begangene Tötungen goutiert – und zwar als essenziellen Bestandteil von Recht und Moral – der individuell begangenen Tötung zum Zweck von Recht und Moral keineswegs entgegen. Und das ist es, worüber wir sprechen müssen, wenn wir über Gewalt sprechen. 

Als während der Stuttgart-Randale ein Vermummter mit Anlauf und ausgestrecktem Bein einem knienden Polizisten in die Seite sprang, wurde ein weiteres Motiv offenbar: Gewalt im politischen Kampf. Nicht jeder ist der Ansicht, Gewalt sei keine Lösung. Mir sagte mal jemand, wer das behaupte, habe es nur nicht ernsthaft genug mit ausgeklügelter Gewaltanwendung versucht. Ist was dran. Gewalt zwang den Vorsitzenden der Werte-Union zum Rücktritt, Kemmerich wurde massiv mit Gewalt bedroht, Frank Magnitz krankenhausreif geschlagen und Walter Lübcke gleich erschossen. Es mag damit im Zusammenhang stehen, dass ein Staat, der verächtlich gemacht wird, keinen Respekt mehr erwarten darf.

Der Ursprung der Verächtlichmachung geht zurück auf die Zeit des NSU-Prozesses, der von den Medien fünf Jahre lang zum Anlass genommen wurde, kübelweise Dreck über den Staat, die Ermittlungsbeamten und die Deutschen an sich auszukippen. Die Linksanwälte einiger Opferfamilien „enttarnten“ den institutionellen Rassismus und nachdem zunächst nur 900.000 Euro an Entschädigungen an die verbitterten Angehörigen gezahlt wurden, wurde nach fünf Jahren stetiger Vorwürfe und bitterer Anklagen ein Entschädigungsfond aufgelegt, aus dem weitere rund 1,45 Millionen Euro abgerufen wurden. Selbstverständlich wurden die Geldzahlungen als Schuldeingeständnis aufgefasst und der institutionelle Rassismus wandelte sich von der steilen These zur in Stein gemeißelten Tatsache. 

In Schuldeingeständnissen sind wir gut. Eventuell eine Nachwirkung der Nachwirkungen der NS-Zeit. Fast 100 Jahre Schuldbeladung zeigen Folgen. Manchmal habe ich den Eindruck, es befände sich ganz Deutschland in einer Schulddepression. Und die endet nicht selten – wie Ihnen jeder Psychologe bestätigen kann – im Suizid.

Der Suizid als Individuallösung, ein unerträglich gewordenes Leben nicht weiter ertragen zu müssen, ist – mal mehr und mal weniger elegant ausgeführt – so alt wie die Menschheit. Als Kollektivlösung ist er bemerkenswert innovativ. Und umso interessanter zu beobachten. Wie bei jedem Suizidalen sind Selbstekel und Hoffnungslosigkeit bestimmende Gefühle und die hinzutretende extreme Empfindlichkeit des Todeswilligen, seine eigene Rolle in dem kleinen Trauerspiel kritisch zu hinterfragen, macht es nicht einfacher. Die Zugehörigkeit zu einem Täter-Volk dürfte nur ziemlich speziellen Persönlichkeitsstrukturen ein positives Selbstbild vermitteln; die anderen schämen sich so sehr für ihr Land, Volk und Vergangenheit, dass sie sich zwangsläufig als Teil des Ganzen selber als beschädigte Ware betrachten. Es ist einzig noch der Drang zur Wiedergutmachung, der sie an- und umtreibt und damit sind wir bei der Hoffnungslosigkeit.

Wie erlangt man Absolution für Schuld? Durch Vergebung.

Traditionell – wenn man sich das Prinzip bei den Leuten betrachtet, deren Kerngeschäft Schuld, Buße und Vergebung ist – ist das sehr schön und übersichtlich geregelt. Einfach wie eine mathematische Gleichung. Sünde x verlangt Buße y = Vergebung. Ärgerlicherweise sind die Sünden der Deutschen nicht katalogisiert, und so irren wir durch die Gegend, betreiben Buße und hoffen auf Vergebung. Ach – Hoffnung kann so trügerisch sein.

Zunächst sind wir brav auf Zuruf des Ayatollahs (wussten Sie, dass der Kampfbegriff „islamophob“ 1979 von Ayatollah Chomeini während der Revolution geschaffenen wurde, um seine Kritiker im Westen mundtot zu machen? Und insofern jeder, der ihn benutzt, sich zum Sprachrohr der Ayatollahs macht? Drollig, nicht?) beiseite gerückt, um dem muslimischen Leben auf deutschem Boden höflich Platz zu machen. Haben uns bemüht, es so muslimisch einzurichten, dass die Muslime sich wohl fühlen. Über deutschen Dächern dröhnt es den Kirchen entgegen, dass Allah größer sei als alles und mit nichts vergleichbar, und dass es keine Gottheit außer Allah gibt. Und wir lehnen uns zurück und sonnen uns in Toleranz. Wer so tolerant ist, dem muss doch vergeben werden, oder? Nun ja – nicht unbedingt von Juden, denen die Muslime in Deutschland das Leben nicht gerade angenehmer machen, aber die Muslime – die müssten uns doch nun wirklich lieb haben. Tolerant, wie wir sind. Merkwürdigerweise haben die uns nicht lieb. Denn, mein lieber Deutscher – du kannst gerne Moscheen und Gebetsrufe tolerieren, Kopftücher hofieren, dem größten Islam-Verband gestatten, ein Ausbildungszentrum für Imame in der Eifel zu eröffnen und am Fastenbrechen teilnehmen; all dies ändert nichts daran, dass der institutionelle Rassismus lebt und gedeiht und dafür bist du den Muslimen verdammt nochmal etwas schuldig. Im Übrigen hast du dich eventuell auch an jenen versündigt, die vor genau der Gesellschaftsordnung geflohen sind und sich in Sicherheit wähnten, die die du gerade so fröhlich neu etablierst. Vergebung? Vergiss es.

Nun gut – neuer Versuch. Vergib mir meinen Rassismus. Wie um Himmels willen, soll man beweisen, kein Rassist zu sein? Abgesehen davon, dass eine negative Tatsache generell selten bewiesen werden kann, handelt es sich bei der Beweisführung hinsichtlich innerer Tatsachen meistens um eine self-fulfilling accusation.Das Schulbeispiel ist die Situation, in der man sich Knall auf Fall mit einer vorgeschobenen Unterlippe konfrontiert sieht und ein weinerliches (und – noch – völlig unzutreffendes) „du liebst mich gar nicht“ den Tag auf einen Schlag versaut. Man versucht es mit „natürlich liebe ich dich“, was mit „das sagst du nur so“ und zitterndem Kinn gekontert wird. Gekrönt von „wenn du mich lieben würdest“ in Verbindung mit einer unverschämten Forderung. Das ist dann der Moment, in dem sich auch die letzte Restzuneigung rasant verflüchtigt. Und ein schönes Beispiel für self-fulfilling accusation.

Dieses Prinzip kommt bei mir übrigens auch immer zum Tragen, wenn ich inhaltlich etwas kritisiere, und der Kritisierte seine äußerlichen Merkmale für die Kritik verantwortlich macht. Es ist – wie eine Reaktion, die in Gewaltanwendung besteht – eine Kapitulation des Geistes. Die überraschenderweise meine Wertschätzung nicht umgehend in ungeahnte Höhen treibt. Es muss an mir liegen.

Aber wer wären wir Deutschen, wenn wir uns nicht umgehend einen Vorwurf zu Eigen machen würden? Eben. Also: Antreten zum Gegenbeweis.

Klassischerweise würde einem bei dem Begriff „Rassismus“ ja irgendwas mit „Rasse“ einfallen. Aber, so wurde ich kürzlich aufgeklärt, „Rassen“ gibt es überhaupt nicht. Eine solche Prämisse wäre nämlich rassistisch. Letztlich läuft es darauf hinaus, dass allen Menschen mit hohem Respekt und äußerster Wertschätzung zu begegnen ist. Gänzlich unangebracht wäre eine unbewiesene Annahme, die lediglich auf generellen Merkmalen der Person beruht, die sie mit anderen Personen gleicher Art und Güte gemeinsam hat. Deshalb ist es in Berlin einem Polizisten verboten, einen Schwarzen, der an einem bekannten Drogenumschlagsplatz ohne ersichtliche Veranlassung herumlungert, einfach mal so zu kontrollieren. Und wenn in Berlin jemand kontrolliert wird, der meint, zu Unrecht und nur aufgrund äußerer Merkmale kontrolliert worden zu sein, dann muss der Polizist beweisen, dass es einen Grund zur Kontrolle gab. Es wurde also ein Gesetz geschaffen, dass einer bestimmten, an generellen Merkmalen erkennbaren Personengruppe eine unbewiesene (und ehrenrührige) Annahme unterstellt. Da aber „Polizei“ keine Rasse ist, nehme ich an, das geht in Ordnung. Und dass zum ersten Mal in der Geschichte der Bundesrepublik die Rechtsordnung die Basis jedes rechtsstaatlichen Verfahrens aufgibt und eine Schuldvermutung etabliert – nun, Depressive haben merkwürdige Ideen.

Die Schulddepression ist übrigens nicht auf Deutschland beschränkt; wir haben sie nur erfunden. Da Rassismus gegen Weiße kein Rassismus ist, sondern eine Bewegung, ist es seit geraumer Zeit en vogue, alte, weiße Männer aufgrund äußerlicher Merkmale generell verächtlich zu machen. Zwischenzeitlich erstreckt sich die Verachtung auf alles Weiße. Weiße waren bei Schwarzen (jedenfalls bei denen, denen die Hautfarbe wichtig ist), noch nie so richtig beliebt. Damit diese Ressentiments nicht als bloßer Rassismus rüberkommen, braucht es einen Grund für die Unbeliebtheit. Unterdrückung, ja, kann man machen. Wenn es nicht so viele erfolgreiche schwarze Menschen gäbe. Die stören die Argumentation ein wenig. Es braucht mehr, mehr von Rassismus in Reinkultur. Menschenverachtend, brutal und gemein. Und dann kam George. George Floyd. Der vor laufender Handykamera von einem weißen, grinsenden Polizisten erstickt wurde, während er um sein Leben flehte. Bingo! Tatsächlich war es eine Kombination aus Fesselung, koronarer Herzerkrankung und Methamphetamin, die George Floyd vom Täter zum Opfer und vom Leben zum Tode beförderte, doch diese Tatsache stört die Legendenbildung ein ganz klein wenig und wird daher zusammen mit seiner kriminellen Vergangenheit (jugendlicher Übermut; bewaffneter Raubüberfall und so) um Mitternacht irgendwo in der Wüste verscharrt. Opfer George hingegen wird in einen goldenen Sarg verfrachtet und als Beweisstück A für den institutionellen Rassismus gesichert. Die anschließende sogenannte „Rassismusdebatte“ schlägt sich in Straßenschlachten, Plünderungen, dem Tod mehrerer unwichtiger Personen – da nicht am Rassismus gestorben, sondern an berechtigtem Protest – und verschärfter Bußfertigkeit weißer Menschen nieder.

Selbige gehen weltweit auf die Knie – gerne vor schwarzen Menschen, aber wenn gerade keine zur Hand sind, auch einfach so – um demütig zu versichern, schwarze Leben seien wichtig. Hinsichtlich der weißen Leben – eine naheliegende Frage – bringt sich eine gewisse Priyamvada Gopal,  Professorin der Universität Cambridge, in die Debatte ein und stellt fest: „Weiße Leben spielen keine Rolle. Als weißes Leben.“ Damit eine Bewegung draus werden kann  (unabdingbare Voraussetzung jeder Bewegung ist heutzutage ein Hashtag) folgt #Weißsein abschaffen. Die Universität nimmt Stellung, verteidigt das Recht auf Meinungsfreiheit ihrer Akademiker und warnt, dass Reaktionen, die in persönlichen Angriffen auf die so meinungsfreien Akademiker bestehen, „völlig inakzeptabel“ wären.

Herrjeh – es war ein schwarzer (Huch! Dieses „schwarz“ steht jetzt aber für etwas Negatives. Darf man das noch so ausdrücken?) Tag für die Menschheit, als das differenzierte Denken aufgegeben und durch „Haltung“ ersetzt wurde. Das Spektrum der Sichtweisen hat sich die Vielfalt eines Binärcodes zu Eigen gemacht. In der Folge werden Diskussionen geführt, mit deren Niveau ich zuletzt vor 30 Jahren konfrontiert war, als völlig zugekiffte Menschen meinten, tiefgründige Sachen zu sagen.  

Und jetzt, 30 Jahre später, hat sich entweder der Cannabis-Konsum flächendeckend ausgebreitet – wovon ich nicht ausgehe – oder es ist doch etwas im Trinkwasser. Wenn es nicht so traurig wäre, könnte man den ganzen Tag kreischend vor Lachen auf dem Teppich liegen. Wie in vorauseilender Fürsorge verletzter Gefühle in den Feuilletons problematisiert wird, dass die klassische Musik zu „weiß“ sei. Zum ersten Mal fällt die verstörende Tatsache auf, dass Kameras einen „Weißabgleich“ haben. Und L’Oréal wird künftig bei seinen Kosmetikprodukten auf Hinweise wie „aufhellend” („whitening”) oder für „helle Haut” („fair skin”) gänzlich verzichten. Sensible Naturen ohne helle Haut könnten verletzt sein, dass Menschen mit heller Haut helle Haut schön finden.

Darf ich mir den Hinweis erlauben, dass jeder Weiße, der meint, die Gefühle eines Schwarzen beurteilen zu können und in vorauseilender Fürsorge die Dinge so einrichtet, wie es seiner Meinung nach für den Schwarzen richtig ist, irgendwie – nun ja – sein Gegenüber nicht ganz ernst nimmt? Ihm abspricht, die Dinge selber anzusprechen? Ich kann mir nicht vorstellen, dass irgendein schwarzes Modell bei irgendeinem Shooting jemals in Tränen ausgebrochen ist, als es um den „Weißabgleich“ ging. Ich kann mir nicht einmal vorstellen, dass es ihr aufgefallen ist. 

Was mir auffällt, ist, dass sowohl die Demut, als auch die Toleranz, nur self-fulfilling accusations sind.  Ein Eingeständnis unserer Schuld. Ein Sieg für die Ankläger. In einem Krieg der Kulturen.

„Ach“, sagt der Deutsche, „ach was. Wir sind doch nicht im Krieg“. Doch, sind wir. Nicht jeder Krieg wird blutig geführt; die Waffen in diesem Krieg sind Forderungen, Anklagen und schlichte Dreistigkeit. Aber es geht – wie in jedem Krieg – um die Eroberung von Territorien. Und um die Herrschaft über die eroberten Gebiete.

Und in dieser Situation fällt dem suizidalen Volk nichts Besseres ein, als den Weg zu bereiten, falls es jemanden gelüsten sollte, die Sache nicht mit Forderungen und Anklagen voranzutreiben, sondern durch ausgeklügelte Gewaltanwendung ein wenig zu beschleunigen.   

Ich begrüße die zivilisatorische Verständigung auf einen grundsätzlichen Gewaltverzicht im Konfliktfall ausdrücklich, aber man darf nicht aus den Augen verlieren, dass eine solche Absprache nur wechselseitig funktioniert. Die edle Selbstverpflichtung zur Gewaltlosigkeit gegenüber jemandem, der wild entschlossen ist, Gewalt anzuwenden, ist schlicht Suizid. (Passt doch.) Und ein Dilemma. Entweder man gibt den Zivilisationsstand auf und beantwortet Gewalt mit Gewalt und findet sich in einer Gesellschaftsordnung wieder, die man nicht wollte oder – man ist tot und muss sich keine Gedanken mehr um Gesellschaftsordnungen machen. Beides ist – nun ja – unbefriedigend. Insbesondere, wenn die Gesellschaftsordnung zwar Raum für Verbesserungen lässt, im Großen und Ganzen aber doch recht angenehme Lebensumstände bietet. Insofern bin ich ein Fan von weißer Lebensart und weißer Kultur. Und halte diese Art zu leben für durchaus vorzugswürdig. Zum Beispiel im Vergleich zu afrikanischer Kultur und Lebensart, die je nach Region und persönlicher Vorliebe mehrere bis viele Ehefrauen als Statussymbol betrachtet. Oder die Ansicht vertritt, zu einer Frau gehöre die genitale Verstümmelung wie hierzulande die Handtasche. Ich hätte tatsächlich erhebliche Probleme, mich in eine solche Gesellschaft zu integrieren. Warum sollte es mit umgekehrten Vorzeichen anders sein? Ist es nicht ebenfalls typisch weiß überheblich zu meinen, unsere Werte seien so unschlagbar gut, dass jeder Mensch darauf brennen müsste, sie zu teilen? Typisch weiß überheblich würde ich diese Frage mit einem klaren „Ja“ beantworten, ziehe aber auch ins Kalkül, dass andere Menschen das anders beurteilen könnten. Hinzu tritt der Umstand, dass eine  gewisse intellektuelle Leistungsfähigkeit unabdingbare Voraussetzung für die Fähigkeit ist, sich einer fremden Kultur anzupassen. Selbige kann man feststellen. Der sogenannte Intelligenzquotient. Der – entgegen einem weit verbreiteten Irrtum – nicht abbildet, wie intelligent ein Mensch ist, sondern seine Fähigkeit spiegelt, Intelligenz zu entwickeln. Der IQ – um bei dem Beispiel afrikanischer versus deutscher Lebensart zu bleiben – liegt in Afrika durchschnittlich zwischen 72 (Uganda) und 60 (Gabun). Da mein Hirn relativ antiautoritär erzogen wurde, neigt es zum Bummeln und Schweifen und so schweife ich noch nach Syrien (82) und Afghanistan (80). Ohne tieferen Grund. Fällt mir gerade nur so ein.

Und jetzt wird es amüsant: Unser deutsch-kulturell geprägtes Strafgesetz hat in § 20 normiert, dass „ohne Schuld handelt, wer bei Begehung der Tat […] wegen Schwachsinns […]unfähig ist, das Unrecht der Tat einzusehen oder nach dieser Einsicht zu handeln“. Und wann ist jemand „schwachsinnig“? Bei mehr als zwei Standardabweichungen vom Mittelwert. In Zahlen: IQ unter 70. Was eventuell erklärt, warum Tätern, die Kinder vor einen Zug stoßen oder auf offener Straße Menschen mit übergroßen Stich- und Hiebwaffen zu Tode hieben und stechen, so häufig psychische Beeinträchtigungen attestiert werden. Selbstverständlich ist Schwachsinn eine psychische Beeinträchtigung – ich wusste nur nicht, dass sie so häufig vorkommt. Und komme ein wenig ins Grübeln, ob die zwei Hürden für eine gelungene Integration – zum einen die Überzeugung, eine fremde Kultur sei der eigenen vorzugswürdig und dann noch die Möglichkeit, nach dieser Einsicht zu handeln – tatsächlich genommen werden können. Wahrscheinlicher erscheint mir (um im Bild zu bleiben), dass die Hürden mit Karacho umgerannt werden. Straflos. Ich kann nur hoffen, dass sich diese Tatsache in gewissen Kreisen nicht herumspricht. Es reicht, dass sich herumsprechen dürfte, dass die Polizei in Deutschland so lustig wegläuft und man so lustig hinterherlaufen kann.

In Deutschland liegt der Durchschnitts-IQ bei 100. Erstaunlich. Auf zunehmende Gewaltbereitschaft psychisch mehr oder weniger beeinträchtigter Menschen besteht unsere Reaktion darin, unsere Ordnungshüter zu demontieren, sie unter Generalverdacht zu stellen und verächtlich zu machen. Wenn ein Polizist die Schusswaffe benutzt, weil der Angreifer mit dem Messer immer weiter angreift, dann diskutieren wir, ob es eventuell an der Sprachbarriere gelegen haben könnte. Ein anderer Grund, auf die Ansprache eines Polizisten nicht zu reagieren, ist auch kaum vorstellbar. Antifa und Migrantifa verbinden sich, um künftig gemeinsam zu randalieren und der Ordnungsmacht wird auferlegt zu deeskalieren. Bevor sie so lustig weglaufen, damit man hinterherlaufen kann.

2008 hatte die Washington Post eine CIA-Studie publik gemacht, die eine „Unregierbarkeit“ in vielen europäischen Ballungszentren um das Jahr 2020 herum prognostizierte. 2009 zog der BND nach und kalkulierte, dass Massenarbeitslosigkeit und Wanderungsbewegungen in einem bis dato (2009) unbekanntem Ausmaß zu einer lang anhaltenden globalen Krise führen könnten. Von Umwälzungen im globalen Machtgefüge war die Rede, von Bürgerkriegen und schwersten internationalen Spannungen mit Weltkriegspotenzial. Natürlich hatte aber weder CIA noch BND eine Pandemie in ihre Überlegungen einbezogen. Was sämtliche Szenarien hinfällig macht, wie Ihnen jeder mit einem IQ unter 70 bestätigen kann.

Mein Traum wäre ja eine Zeitmaschine. Hätte ich eine, würde ich sie auf das Jahr 1663 stellen. Zielort Mauritius. Dort lebten die Dodos. Ungefähr einen Meter große, zwanzig Kilo schwere flugunfähige Vögel mit kleinen Stummelflügen und einem Schuhlöffel mitten im Gesicht. Eventuell noch mit einem Federbüschel um den Bürzel – man weiß es nicht. Jedenfalls hinreißend skurril. Da sie sich dazu noch hauptsächlich von vergorenen Früchten ernährten, hatte ich sie umgehend zu meinen Lieblingstieren erklärt. Und dann waren sie auf ihrer abgeschiedenen Insel auch noch völlig ahnungslos, dass es so etwas wie Feinde geben könnte. Enorm zutraulich, wie von Seeleuten jener Zeit berichtet wurde. Zu gerne hätte ich einem so großen, hinreißend skurrilen Vogel in sein zutrauliches Gesicht gesehen. Zu gerne hätte ich gewusst, wie sein Ruf sich anhört.

Bedauerlicherweise habe ich keine Zeitmaschine. Und so um 1690 hat der letzte Dodo – höchst wahrscheinlich leicht angeschickert – den  Kopf auf die Seite gelegt, um neugierig zu beäugen, was da auf ihn zukam.  

Und wissen Sie was? Die schmeckten nicht einmal.

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