Chemnitz

Sind Sie heute auch so fühlig? Ich hatte bereits beim Frühstück beschlossen, diesen Donnerstag androgyn-fühlig zu verbringen. Also mich eines uneindeutigen/maskulin-schlank-weißen Aussehens zu bedienen. Bis vor kurzem (einige Trends gehen einfach so an mir vorbei) war ich in der Fehlvorstellung gefangen, mein Leben schlicht als Frau verbringen zu müssen. Was Vor- und Nachteile hat. Einer der hinreißenden Vorteile ist die Anwendung ordnungsgemäßer Hysterie, (zu der Männer bereits mangels Gebärmutter qua Wortsinn überhaupt nicht in der Lage sind und daher – quasi als biologische Mangelerscheinung – zu großkalibrigen Waffen greifen müssen, um Dampf abzulassen) einer der Nachteile ist die zunehmend raumgreifende Figur. Nachdem ich durch die Chef-Aufklärer von der taz aufgeklärt wurde, dass die Beschränkung auf zwei Geschlechter weit (!) hinter humanistischen Ansprüchen und wissenschaftlichen Empfehlungen zurückbleibt, habe ich spontan die sich mir eröffnenden Möglichkeiten genutzt und wenn es eng wird, werde ich fluid. Oder bei Entscheidungsschwächen cis. Geht alles. Wie Sie am Beispiel der Hysterie sehen, bestimmt die Geschlechtlichkeit nicht unwesentlich die Handlungsspielräume (oder die Figur). Die Wissenschaft geht momentan von 4.000 Varianten geschlechtlicher Differenzierung aus. Tendenz steigend.

Ich möchte aus diesem Umstand schließen, dass es grundsätzlich also möglich ist, differenzierte Betrachtungen über Menschen anzustellen.

Warum finde ich dann in der Berichterstattung über Chemnitz keine fühligen Konservativen, cis-Liberale, trans-Nazis, fluid-Linke, demi-Rechte oder Neutros?

1 Kommentar

  1. Um vom eigentlichen Chemnitz-Fall abzulenken, war harter Tobak erforderlich, nichts Seichtes. Außerdem: Die zu Bekämpfenden sind ja gerade die vermeintlich eindeutig Bestimmbaren. DAS muss weg. Keine klaren Identitäten mehr, bitteschön!

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